Blob nicht Las Vegas
Bloß nicht Las Vegas
Die Vision mag manchen erschrecken, Europäer zumal, die aus guten Gründen an einem Stadtbild festhalten, das durch Dichte und Nutzungsmischung gekennzeichnet ist (Wohnen, Arbeiten, Freizeit). Aber John Kasarda, US-amerikanischer Infrastrukturexperte und Regierungsberater unter Carter, Reagan, Bush senior und Clinton, sieht Flughäfen mit Airport-Cities als Kerne einer neuen, großen Agglomeration, die er Aerotropolis nennt und deren städtische Funktionen auf den Flughafen ausgerichtet sind.
Es sind stadtähnliche Gebilde mit Durchmessern von 30 bis 50 Kilometern, mit denen die Gegenwart auf das reagieren muss, was Kasarda "neue Metrik" nennt: Nicht der Raum entscheidet, sondern die Faktoren Zeit und Kosten.
Trotz Krise hält der Professor der Kenan-Flagler-Universtität in Chapel Hill daran fest. In den vergangenen 30 Jahren, erzählte Kasarda dem Magazin Fast Company, sei das Bruttoinlandsprodukt aller Staaten um 154 Prozent gewachsen, der Welthandel sei um mehr als 350 Prozent, der Wert der Luftfracht um fast 1400 Prozent gewachsen. Das eine Prozent der Waren weltweit, die per Flugzeug transportiert würden, entsprechen 40 Prozent des Gesamtwertes aller produzieten Waren.
Flughäfen werden zu Freizeitcentern
Die Airport-Cities werden dieser Zahlen wegen wachsen, ist Kasarda überzeugt. Auch weil Flughäfen sich zunehmend um Einkaufs- und Freizeitangebote erweiterten. Und tatsächlich zeichnet sich gerade in Asien und in Europa eine rasante Entwicklung ab: Amsterdam-Zuidas etwa ist ein Geschäfts-Distrikt, der nur wenige Minuten vom Flughafen Schiphol entfernt liegt und schon heute knapp zwei Millionen Quadratmeter Bürofläche hat. ABN Amro, ING Bank und andere europäische Unternhemen haben in Zuidas ihre Hauptquartiere. Bis 2030 sollen dort insgesamt 80 Hochhäuser errichtet werden.
Unweit des Incheon International Airport in Südkorea entsteht die New Songdo City, ein 30-Milliarden teures Mischgebiet - nach Al-Maktoum International Airport in Dubai mit seinem vor der Krise geplanten Investitionsvolumen von 33 Milliarden Dollar das zweitgrößte Projekt dieser Art.
Peking investiert zwölf Milliarden Dollar in den neuen Beijing Capital Airport, wo mal 400000 Menschen tätig sein sollen, und baut in Hong Kong den Chek Lap Kok-Airport als Mini-Stadt für 45000 Beschäftigte aus. In den USA ist neben Dallas Fort Worth das Dallas Market Center gewachsen acht Milliarden Dollar Umsatz auf 465000 Quadratmetern.
Für den Flughafenbetreiber Fraport gehen solche Beispiele zu weit, das sei die "Gedankenwelt von Las Vegas" , da hin wolle man nicht. Und hält sich erst einmal an die "Business-City". (schu)